Definiere

Das Definieren von physikalischen Begriffen erfordert die Benennung aller Aspekte, die notwendig sind, um den ganzen Begriff abzudecken, ohne überflüssige Informationen mit aufzunehmen. Den SchülerInnen hilft es, wenn wir ihnen Beispiele und Gegenbeispiele für einen Begriff aufzeigen. Sie verstehen jedoch eher, wie man einen Begriff definiert, wenn sie es selbst versuchen, als wenn sie es nur von uns erklärt bekommen.

In dieser Unterrichtseinheit arbeiten die SchülerInnen in Gruppen zu ungefähr vier SchülerInnen. Zunächst denken sie einige Minuten über den genannten Begriff nach und versuchen, ihn zu definieren. Darauf sollten sie ihre Vorschläge in ihrer Gruppe diskutieren. Wenn sie mehrere Begriffe definieren sollen, dauert das etwa eine Viertelstunde. Schließlich werden alle Vorschläge in einer Diskussionsrunde mit der ganzen Klasse durchgesprochen und allgemein anerkannte Definitionen ausgearbeitet. (Methode Ich-Du-Wir)


Zeitbedarf: Teil einer Unterrichtsstunde


Didaktisch-methodische Ideen
Beim herkömmlichen Unterrichten definieren wir einen Begriff und die SchülerInnen wenden ihn an, besprechen ihn aber nicht. Oft machen sich die SchülerInnen dann ihre eigene (nicht unbedingt richtige) Vorstellung von einem Begriff, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Bei der vorgestellten Herangehensweise können die SchülerInnen ihre eigenen Gedanken zu einem bestimmten Begriff einbringen und sich darüber mit ihren MitschülerInnen austauschen.


Die SchülerInnen müssen kritisch darüber nachdenken, was andere denken und was sie selbst für richtig halten. Während der Diskussion mit den MitschülerInnen ergänzen und verfeinern sie ihre Vorstellung von dem Begriff. Wird diese Aufgabe als Einführung in eine Unterrichtsstunde verwendet, in der die SchülerInnen einen neuen Begriff kennenlernen sollen, können sie ihr bereits vorhandenes Wissen aktivieren und es mit dem Wissen der Mitschüler abgleichen. Wir können herumgehen und hören, was die SchülerInnen sich untereinander erzählen. So bekommen wir eine gute Vorstellung von ihrem Wissensstand über den neuen Begriff. Diese Aktivität wurde im Modul 3: Prozesse beim forschenden Lernen aufgegriffen. Sie kann leicht in den normalen Unterrichtsalltag integriert werden, denn es werden keine besonderen Hilfsmittel und nur ein Teil einer Unterrichtsstunde benötigt.


Erfahrungen aus dem Unterricht
Ein Physiklehrer stellte seinen in Gruppen aufgeteilten SchülerInnen zu Beginn einer Unterrichtsstunde die Aufgabe, die Begriffe „Widerstand“, „Leitfähigkeit“ und „Isolierung“ zu definieren. Danach führten die SchülerInnen Versuche durch, um herauszufinden, welche Materialien leitend und welche isolierend wirken.

Zunächst diskutierten die SchülerInnen die Begriffe. Die klare Zielvorgabe bei den Versuchen war es herauszufinden, welche Unterschiede zwischen den Materialien bestehen (wirken sie leitend, isolierend oder als Widerstand?). Am Ende der Stunde war offensichtlich, dass sie sich ein klares Bild von den Begriffen „Leitfähigkeit“ und „Isolierung“ gemacht hatten. Entgegen der Hoffnung der Lehrkraft hatten sie den Begriff „Widerstand“ jedoch nicht verwendet, um leitendes von isolierendem (nicht leitendem) Material zu unterscheiden.

Trotzdem war der Lehrer begeistert von dieser Herangehensweise, denn die SchülerInnen brachten sich in der ganzen Unterrichtsstunde aktiv ein. Im Ergebnis hatten die SchülerInnen ihr Verständnis elementarer physikalischer Begriffe vertieft.


Autoren: Michiel Doorman, Ad Mooldijk, Universität Utrecht, Niederlande